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Tirols größtes Fernwärmenetz geplant

Die Gemeinden Rum, Wattens und die Innsbrucker Kommunalbetriebe AG planen Tirols größtes Energieprojekt. Zwischen Innsbruck und Wattens soll ein über 26 Kilometer langes Fernwärmeverbundnetz entstehen.

Die Quellen sind Energie und Abwärme aus den Prozessen der Papierfabrik Wattens, die mit modernster Technologie genutzt werden. Laut Machbarkeitsstudie kann der Industriebetrieb pro Jahr bis zu 45.000 MWh Wärme ins Netz liefern. Das Absatzpotential dafür ist da: Im Bereich Neu-Rum und Olympisches Dorf werden jährlich ca. 34.000 MWh benötigt, im Bereich Wattens ca. 19.000 MWh. "An diesem zukunftsweisenden Projekt beteiligen wir uns sehr gerne", erklärt Papierfabrik Wattens-Geschäftsführer Mag. Johann Lettenmair. "Über eine Kraft-Wärme-Kopplung erzeugen wir Strom für den Betrieb, die anfallende Abwärme dient zum Aufheizen des Wassers für den Fernwärmekreislauf."

Warum Fernwärme?

Die Vorteile liegen auf der Hand: Fernwärme ist eine überaus effiziente Energieform. Sie sorgt für geringere Heiz- und Warmwasserkosten, bessere Luftqualität (Kyoto-Ziele!) und ist eine saubere und umweltschonende Alternative zu fossilen Brennstoffen im Hausbrand. Zusätzlich braucht der Konsument keine Heizungsanlage mehr im Haus. Er spart sich dadurch Platz, die Wartungskosten sowie die Geruchs- und Geräuschbelästigung.

Weniger CO2-Ausstoß?

Die spezifischen CO2-Emissionen einer Hausheizung sind um circa 35% höher verglichen mit dem geplanten Fernwärmenetz. Für Holz oder Kohle betriebene Öfen sogar um mehr als 50%! Aus dieser Differenz ergibt sich eine Einsparung von mehr als 7.000 to CO2 pro Jahr. Das entspricht etwa dem CO2-Ausstoß von 18 Tagen Transitverkehr auf der Strecke Kufstein – Brenner, in beide Richtungen.

Energie- und umweltpolitischer Meilenstein für Tirol

Bgm. Edgar Kopp (Rum), Bgm. Franz Troppmair (Wattens) sowie Dr. Elmar Schmid (IKB) forcieren die moderne Energieform. In einem gemeinsamen Schulterschluss bekennen sie sich zu dieser innovativen Kooperation. In einem ersten Schritt gründen die beiden Gemeinden sowie die Innsbrucker Kommunalbetriebe AG die ARGE Fernwärme Tirol Mitte. Die Papierfabrik Wattens ist mit den notwendigen Detailstudien beschäftigt. Nach Abschluss dieser Planungsphase soll zwischen den Projektpartnern bis Ende März 2010 ein langfristiger Energielieferungsvertrag abgeschlossen werden. In der Folge könnten bereits im Herbst 2010 Teile von Wattens fernwärmemäßig angeschlossen werden. "Mit der Fernwärme Kundl – dessen Initiator ich als Buergermeister der Gemeinde 1995 war – und der Fernwärme St. Johann ist dieses Projekt der dritte energie- und umweltpolitische Meilenstein in Tirol. Es ermöglicht eine Steigerung der Lebensqualität im Inntal sowie einen weiteren Schritt in Richtung Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern", so LH-Stv. Umweltlandesrat Hannes Gschwentner bei der Projektpräsentation.

Weitere Wärmequellen in Planung

Die Abwärme der Papierfabrik Wattens soll zukünftig öffentliche Gebäude aber auch private Haushalte mit Energie in Form von Wärme versorgen, sind sich die Bürgermeister einig. Laut einer aktuellen Studie werden in Österreich bereits 27% der nach 2001 errichteten Wohnungen mit Fernwärme versorgt. Die dichtesten Netze befinden sich in Ballungszentren wie in Linz, Wien, Salzburg oder Graz. "Zudem planen wir schon mit weiteren Wärmelieferanten wie z.B. den Tiroler Röhren- und Metallwerken in Hall an einer sinnvollen Wärmeauskopplung", erläutert Projektleiter Dr. Klaus Kandler.

Und auch der Innsbrucker Stadtrat Walter Peer freut sich über die innovative Kooperation: "Diese Zusammenarbeit ist ein wichtiger Schritt Richtung mehr Energieeffizienz und zudem ein Beitrag zur Standortsicherung, nicht nur für Firmen, sondern auch für unsere Bürger. Dabei ist zweitrangig, ob die Stadt oder die IKB als Projektpartner teilnimmt. Hauptsache, es geschieht."

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